ERHARD GROSSKOPF

Presse- und andere Stimmen


RÄUME - ZEIT - KLANG
"... Verschleierte, atmende Klänge, gläsern intoniert, vom Rande der Ewigkeit und zerbrechlich gleichermaßen. Die sphärische Musik scheint zu schweben, es gibt kein pulsierendes Maß, kein greifbares metrisches Raster auf das Hörer, aber auch Spieler sich orientieren, stützen könnten. Organisch, nicht vor dem Hintergrund der Kontrollinstanz einer akkurat gequanteten Uhrenzeit entfaltet sich das Leben dieser Klänge. Erhard Grosskopf schrieb sein 2.Streichquartett im Jahre 1990. Wie wenige andere hat der 1934 in Berlin geborene und dort wirkende Komponist Erhard Grosskopf ein spezielles Sensorium für das Innenleben der Klänge entwickelt. Von vielen seiner Werke geht eine eminente Sogkraft aus. Mit oft sparsamsten Mitteln lässt Grosskopf sinnlich erfahrbar werden, was Heraklit uns mitgeteilt hatte: Wir steigen nicht zweimal in denselben Fluss. Um freilich Prozesse ins Werk setzen zu können, die das lineare Zeitempfinden aufheben und transzendieren, muss ein Komponist paradoxerweise eine besondere, weil abstrakte Sensibilität für temporale Zusammenhänge entwickeln. Erhard Grosskopf schreibt Musik, die sich vielschichtig entfaltet. Voneinander unabhängig verlaufende Zeitproportionen, sogenannte Loops sind, was ihre potentiellen Beziehungsmöglichkeiten innerhalb eines musikalischen Prozesses betrifft, meist so angelegt, dass sich nach Maßgabe mathematischer Kalküle Treffpunkte bestimmter Ereignisse einstellen und sogar akkumulieren können. Doch nicht die Stetigkeit des temporalen Flusses, die abstrakte Idee des Pfeiles der linearen Zeit wird zum wesentlichen Eindruck. Im Gegenteil: Für den Hörer tun sich Räume auf. Zeit bekommt Farbe, ja Gewicht. Grosskopf kalkuliert mit dem magischen Potential des Klanges. ..."
Helmut Rohm (Wandlungen - Der Komponist Erhard Grosskopf / Portraitsendung Bayerischer Rundfunk 1995)


"AUSDRUCK" DEFINIERT SICH JEDESMAL NEU
Musik, die einlädt, hörend in ihre Struktur einzudringen, veranlasst unser Hören, sich zu öffnen und dringt so ihrerseits in uns ein. Es gibt keinen Begriff für das, was dann mit uns geschieht. "Ausdruck" definiert sich jedesmal neu.
Danke, Erhard Grosskopf, für solch ausdrucksvolle, eindringliche Musik.
Helmut Lachenmann (Grußwort im CD-Booklet zu "Erhard Grosskopf • Sound Pool - Adagio", ACADEMY, edel classics 0085182ACA)


VERLORENHEIT IN DAS GEISTIGE
"... Erhard Grosskopf lebt in Berlin, als Komponist – nur als Komponist. Ein Beruf, der in seiner radikalen Ausschließlichkeit oft an die Grenzen des Wahnsinns stößt, gemessen an der Weltsucht nach Abgesichertheit. Seine expressive Musik öffnet daher Strukturen von hoher klanglicher Raffinesse, in welchen die Sparsamkeit und Schlichtheit offenkundig und gewollt sind. Verlorenheit in die Ränder der Stille, in die Zonen des Unreflektiven, in die Gefilde des Lichts und überirdischen Webens ist eine Verlorenheit in das Geistige. Darin ist Grosskopfs Musik unvergleichbar..."
Hans-Peter Jahn (SWR2 CD-Tipp 2000)


EIN EIGNER KOPF
"... Schon merkwürdig und gewiss bezeichnend für die eisernen Moden unseres Musikbetriebes, dass ein eigner Kopf wie dieser, soviele Durchbrüche erlebte und dabei doch so ganz aus seiner Zeit fällt. ..."
Eleonore Büning (SWR2 Plattenprisma 2000)


... Früher unterschätzt
habe ich Erhard Grosskopf ...
Heinz-Klaus Metzger (NZfM 6/2002)

SCHWEBENDE ZEIT
 "... und als Hörer ist man aus beiden Systemen der Zeitquantifizierung entlassen, fühlt sich von ihnen befreit. Als Hörer ist man nirgends versucht, zu zählen oder zu messen, sondern man lebt in einer schwebenden Zeit, von der man wünschen würde, dass sie nie enden würde... Beim Hören des Quartetts ist man aus den empirischen Zwängen befreit. Und das versteht man sehr schnell. Man braucht nur ein paar Sekunden, um sich umzustellen, von der Zeit, aus der man kommt, in der man gelebt hat, bis die Aufführung des Stücks beginnt, und der Zeit, in die man jetzt durch das Stück eintritt..."
Heinz-Klaus Metzger (Gespräch anlässlich der Ursendung des Streichquartett Nr.3 • Deutschlandradio Kultur • 2005)


KONSTRUKTIVE STRENGE GEWÄHRLEISTET UNVORHERSEHBARKEIT ?

"Ist es möglich, konstruktive Strenge einer Komposition, also deren exakte Vorausplanung, so einzurichten, dass dabei dennoch Unvorhersehbarkeit des musikalischen Phänomens selbst geradezu gewährleistet wird? Das paradoxe Experiment, eine solche Dialektik ins Werk zu setzen, hat Erhard Grosskopf unternommen... eine verwirrende Polyphonie verschiedener Maße und Maßstäbe ... eine schier unvorstellbare notationsökonomische Leistung."
Heinz-Klaus Metzger (Programmbuch Ultraschall Festival 2007, rbb Kulturradio / Deutschlandradio Kultur)


RÄTSELKANTEN
"... Musik mit vielen Rätselkanten. Eine ganz eigene, abseitige Musiksprache begegnet uns hier. Fremde Welten, die Lust machen, einzutauchen."
Reinhard Schulz (nmz 11/2000)


VERWANDLUNG DES RAUMES ZU EINEM ORT DER AUFMERKSAMKEIT
"... Musik ist bei Grosskopf nicht nur Klang und Aktion der Musiker, sondern sie verwandelt den Raum zu einem Ort der Aufmerksamkeit. Spiritualität ist nicht Grosskopfs Anliegen, aber dennoch ist seine Musik imstande, die Spiritualität des Hörers zu wecken. Gleichzeitig kann sie für den, der beim Hören Spekulationen über das Gehörte anstellt, eine Erzählung über die Form eines Dinges sein, ausgedrückt durch die Gestaltung des Klangs. Da nichts fest steht und nichts "gemeint" ist, kann man in sie hineinhorchen, wie man in den Himmel starrt, bis alles klar wird. ..."
Matthias R. Entreß (rbb Kulturradio 02/2010 anlässlich der Sendung des Streichquartett Nr.5)

MUSIKSPRACHLICHES CHAMÄLEON
... Der Titel der Reihe - Entwicklung unserer Ohren - ist wie für Grosskopfs Musik geschaffen. Sie ist jedem Konformismus strikt abhold, jedoch in alle Richtungen offen, was Material und Methoden betrifft. Vormodernistisch schöne Harmonien haben das gleiche Recht wie flirrende Klangflächen und Raumkomposition. Grosskopf lässt sich nicht stilistisch eingrenzen, er komponiert sanfte Ereignisse, die ungreifbar vorbeifliegen, aber er verzichtet auf expressionistisches Auftrumpfen. "Das Konzertpublikum", stellt er fest, "hat oft eine bestimmte Musik im Kopf, die es wiedererkennen möchte, es erwartet eine bestimmte Dramaturgie. Bei mir ist es aber eher so, dass die Klänge wie Sterne in verschiedenen Konstellationen erscheinen." Obwohl zu den stärksten Eindrücken seiner Musik die warme Naturhaftigkeit der Klangfolgen zählt, errechnet Grosskopf die komplexen Zeit- und Harmoniestrukturen seiner Musik am Computer. Das macht ihn zu einem musiksprachlichen Chamäleon...
Matthias R. Entreß (Berliner Morgenpost 2000)


SENSIBLE POETIK
"Es ist eine empfindsame, eine empfindliche Musik, die Erhard Grosskopf schreibt. Eine Musik, der es nicht um Provokationen geht und die Neuem dennoch immer aufgeschlossen gegenübersteht. Poesie ist vielleicht das Schlüsselwort dieser Werke, gleichweit entfernt von harmoniesüchtiger Seligkeit und billiger Meditationsmusik. Grosskopf ist es immer wieder gelungen, Schönheit und Modernität unter einen Hut zu bringen; ein Unternehmen, an dem viele andere zeitgenössische Komponisten gescheitert sind. ..."
Martin Demmler (SFB RadioKultur 3/1994 jetzt RBB) und CD-Booklet zu "Erhard Grosskopf • Sound Pool - Adagio", ACADEMY, edel classics 0085182ACA


PLEJADEN - Sieben ähnliche Stücke für Klavier und Orchester
... Eine der kostbaren Ausnahmen bot das Quasi-Klavierkonzert "Plejaden", Auftragswerk von Erhard Grosskopf: ... frappierende Hörerfahrung ...
Eleonore Büning (F.A.Z. 2003 MaerzMusik)

"... von geradezu beharrlicher Material-Ökonomie und formaler Konsistenz geprägt. Beide Merkmale stehen für Grosskopfs Umgang mit der musikalischen Zeit: als Kategorie, in der sich musikalisches Material entfaltet, nicht aber als originärer Gegenstand kompositorischer Gestaltung. So werden die Klänge, den Plejaden gleich, aus der Zeit gelöst und erscheinen als eher geometrisch räumliche Gestalten, deren Wahrnehmung der Zeit bedarf."
Volker Straebel (Programm MaerzMusik 2003)

... Balanceakt ... unerwartetes Innenleben ...
Ulrich Pollmann (Der Tagesspiegel 20.03.2003)


SCHATTEN DER ENGEL für Orchester
... Am Anfang stehen einige geradezu spannungsheischende Akzente, die aber, da sie in kurzer Zeit mehrfach wiederkehren, ihre Vormachtstellung nicht ausnutzen. Bald baut sich ein fragiler harmonischer Zustand auf, den zu halten allein herkulisch wirkt – wie ein Gewichtheber, der seine Rekordlast nicht wagt, wieder fallen zu lassen. Dabei ist das Spektrum von Klangdichten sehr groß, aber laute Stellen, in denen sich Klänge ballen und leise Stellen, in denen nur die hauchzarten Flageoletts der Streicher stehen bleiben, haben, als Phänomen der Zeit, gleiche Bedeutung. Es ist nichts anderes als der Unterschied eines Neumonds zu einer Sonnenfinsternis, wo der Schatten zufällig über die Erde streicht. Das Weltall kümmert sich um das Erlebnis der Menschen nicht. Das Stück endet, wenn der Kreis geschlossen ist und die sieben Schichten sich wieder treffen...
...
Wenn man als Hörer in dieser ewig changierenden Klangspannung bleibt, wird man mit einer auditiven Druckstelle, wie mit einem Nachbild auf der Netzhaut nach einem Blick in die Sonne, aufstehen. "Schatten der Engel", dieser Titel, der Grosskopf im Nachhinein eingefallen ist, ist genau das, eben kein Schatten, sondern das Gefühl einer erfahrenen Erscheinung. ...
Matthias R. Entreß (rbb Kulturradio 02/2010)


STREICHQUARTETT NR 3
"Kompositionen wie diese legen die Latte hoch."
Eleonore Büning (F.A.Z. 2007 Ultraschall-Festival)

"... originäres Denken im Klang jenseits der Töne. ... enorm spannungsvolle Klangfläche. ..."
Volker Straebel (Der Tagesspiegel 2000)


STREICHQUARTETT NR 2
"... un exemple particulièrement significatif de la façon dont il s'efforce de soustraire sa musique à une "dramturgie fonctionelle" atteignant un équilibre précaire, non dénué de paradoxes : matériau neutralisé mais pas dépersonalisé, complexe mais limpide, dématerialisé mais bien présent, hors temps mais non privé de devenir." (DIAPASON, Pierre Rigaudière, 2007)


STREICHQUARTETT NR 5
"Ein dichtes, lichtes Auftragswerk, das langen Atem verlangt, in Zeitschichten sich entfaltend." (Eleonore Büning, F.A.S.‚ 2009)

... Musik der Konzentration, aus der heraufschimmert, was sich auch vierteltönig reibt und was harmoniert. ... Mit kratzenden Akzenten brechen die langen Töne auf, um ihre Gespinste zu bilden. ... Erfolgreich im Abseits, entfaltet der Komponist ein Stück Nachsommer neuer Musik...
Sybill Mahlke (Der Tagesspiegel, 2009)

"... Musik ist bei Grosskopf nicht nur Klang und Aktion der Musiker, sondern sie verwandelt den Raum zu einem Ort der Aufmerksamkeit. ... durch die Gestaltung des Klangs. Da nichts fest steht und nichts "gemeint" ist, kann man in sie hineinhorchen, wie man in den Himmel starrt, bis alles klar wird."
Matthias R. Entreß (rbb Kulturradio 2010)

12 STÜCKE FÜR STREICHQUARTETT [Streichquartett Nr.4]
Rezensionen (F.A.Z., nmz) der Uraufführung am 20.01.2003
Pellegrini Quartett, Berlin, Festival Ultraschall
Deutschlandradio Kultur, rbb Kulturradio

weitere Gedanken • Kommentare zu den Streichquartetten Nr.1–3 u.a. von Heinz-Klaus Metzger, Margarete Zander, MR Entress, Helmut Rohm ...


SINFONIE - 'ZEIT DER WINDSTILLE'
..."Zeit der Windstille" klingt wie eine Musik der Unaufhörlichkeit, der wachen Meditation, weil der Komponist Erhard Grosskopf mit vielschichtigen Zeitprozessen arbeitet, die Wandlungen des Vielklangs provozieren. ... "Windstille", das lässt sich im Anfang der Komposition hören, ist nicht einfach Flaute, sondern gespannte Ruhe. Wie der Klang des großen Orchesters sich reduziert und auffüllt, öffnen sich neue Räume. ...
Sybill Mahlke (Der Tagesspiegel 1993)

... Ein oszillierender, wie schwebender Klang, ein ruhiges Fliessen und Atmen der Töne ...
Martin Demmler CD-Booklet (2000)

... "Sinfonie - Zeit der Windstille" ist ein kontinuierlicher Fluss von kaleidoskopartig sich verwandelndem Klang. Naturereignis oder musikalisches Ritual? Diese Musik ist von schier unbezwingbarer Zartheit, eine Welt im embryonalen Frieden des Werdens. ...
Matthias R. Entreß (Berliner Morgenpost 2000)

"... Sinn für großflächige Klangentwicklungen, die periodisch unregelmäßig ins Pulsieren geraten, dann wieder ausgedünnt werden."
Werner Müller-Grimmel (Stuttgarter Zeitung 2003)


LENZMUSIK 1
... Im Grunde komponiert Grosskopf eine Poesie in Klang, von verhaltener Schönheit und zartem Zauber, und doch mit dunklen Phasen und kleinen Ausbrüchen -.... scheint eine Musik, die soviel Deutungen hervorruft, selbst zu "lenzen" .....
Dieter Schnebel (1994)

"Lenzmusik 1" für Klarinette, Violine und Klavier besteht aus sieben Teilen, Konzentraten heftig ungeduldigen oder tastend meditativen Suchens, Lenzmusik aus Lenzmomenten, die zum Monolog des einzelnen Instruments, ewig wechselnd zwischen zwei Tönen, innerhalb des Ensembles führen können. Da eine Zeitstruktur Raum gibt für den Stoff der Träume, lässt sich der Weg zu ihnen sehr konzis erfahren. ... so geht Grosskopfs neue Komposition, gearbeitet wie erfühlt, auf diesem Dichterweg "durchs Gebirg", weil sie von Isolation und Zerrissenheit weiß: "So lebte er hin."
Sybill Mahlke (Der Tagesspiegel 1992)


LICHTKNALL
"Wach ich oder träum' ich? .... Seltsameres, Fremderes, auch Faszinierenderes viele Zuhörer/Zuschauer Empörenderes, habe ich noch an keinem Theater gehört und gesehen wie dieses bescheiden "Ballett in drei Teilen" genannte Stück Totaltheater, das in Berlin uraufgeführt wurde: "Lichtknall - Eine apokalyptische Odyssee."
Rolf Michaelis (Die Zeit 1987)

"...Und vielleicht eine Mahnung, in der sich Melancholie und gegenwärtige Nüchternheit mischen. Aus solchem Geist scheint mir jedenfalls die Musik von Grosskopf zu sein. Sie ist auf der Suche nach Harmonie und verleugnet doch ihre Herkunft aus einem Laboratorium nicht, das sich auch rein technischer Mittel bedient. Sie gibt sich immer wieder als konstruiert zu erkennen. Der Computer musiziert mit. ... Beifall und Buhsturm standen stabil gegeneinander ... Grosskopf, Freyer und Childs ... die drei muten ihrem Publikum schon allerhand zu. Darf die Kunst das? Oder soll ich fragen: Ist sie dazu nicht da?"
Frank Pauli (RIAS Berlin 1987)

Lieber Erhard, Deine Musik hat mich zur tollsten Szene inspiriert. Danke, Dein Achim
A.Freyer (Plakatwidmung, Wien 1991)


"...schliesslich "Erinnerungen" (auch "Lichtknall III") des Berliner Komponisten Erhard Grosskopf. Das war der interessanteste von drei Abenden, die der Besucher aus München erleben konnte. Was Grosskopf da für Klarinette (Michael Riessler), Klavier (Marianne Schroeder) und die glitzernden Farben des Schlagzeugs (Robyn Schulkowsky) geschrieben hat, ist ein Kaleidoskop ausgesuchter Klänge, die der dirigierende Komponist koordinierte; ein Reigen eleganter Schlagzeugeffekete, langgezogener Klarinettentöne und versprengter Klavierkaskaden, die mit Hilfe elektroakustischer Verstärkung und von Tonbandmusik immer wieder ins Orchestrale anwuchsen. Das ganze ein Konzerterlebnis, zu dessen Atmosphäre für exakt die Länge des Stücks die zauberische Wanderung des Vollmonds zwischen zwei Zypressen hinter dem Podium gehörte..."
Wolfgang Schreiber (Süddeutsche Zeitung 11.7.1988)

"Der Zufall wollte es, dass ich dem alten Herrn (Giacinto Scelsi), der adliger Abstammung war und seit den fünfziger Jahren nahe dem römischen Forum Romanum wohnte, noch Ende Juni bei einem Konzert in der Villa Massimo in Rom begegnete. Er freute sich bei einem Glas Champagner mit einer Gruppe deutschsprachiger Musiker über den Erfolg einer Komposition des Berliners Erhard Grosskopf: "Lichtknall", ein Kaleidoskop zart glitzernder Klänge, dargeboten im abendlichen Park dieser deutschen Akademie..."
Wolfgang Schreiber (Süddeutsche Zeitung 17.8.1988)


HARMONIEN - Duo für 2 Klaviere (Lichtknall Teil II)
"Aufhorchen ließ das durchaus nicht in den üblichen Akkordbahnen verlaufende Duo "Harmonien" von Erhard Grosskopf..."
Reinhard Oehlschlägel (NZfM 1982 - Experimentelle Komposition im Rückblick - Pro Musica Nova 1982 in Bremen)

"I like the piece, because it is a percussion piece."
John Cage (nach der Uraufführung bei der Pro Musica Nova in Bremen 1982)


QUINTETT ÜBER DEN HERBSTANFANG für Orchester
"Die "Schönheit", von der Grosskopf spricht, ist keine Phrase, sondern an den besten Stellen des Stückes seine Tugend. Man verlässt den Abend zwiespältig bewegt, doch im Bewusstsein, etwas gehört zu haben, was abseits der Straße liegt."
H.H. Stuckenschmidt (F.A.Z. 1982)

"... skeptisch differenzierte Klangbewegungen bei Grosskopf ..."
Gerhard R. Koch (LP DMR 1025-27, Kassette 9, 1970-1980)

"Und in diesem Werk (Quintett über den Herbstanfang) werden alle Facetten des Komponierens von Erhard Grosskopf deutlich: Sensibilität in der Behandlung extremer Instrumente, Klangfantasie, rhythmische Unverbrauchtheit und rhythmische Originalität, Ausdrucksenergie und eine Zartheit, die korrespondiert mit der Feinheit und vornehmen Zurückhaltung des Komponisten selbst."
Hans-Peter Jahn (SWR2 2000)

"Endlich ist mit "Sound Pool - Adagio" eine Doppel-CD erschienen, die den außergewöhnlichen Rang dieses Komponisten nachdrücklich belegt. Kompositionen aus 20 Jahren für Orchester, Kammerbesetzungen und Klavier formulieren Grosskopfs universellen Anspruch an Musik.
Im "Quintett über den Herbstanfang", mit dem DSO Berlin unter Jacques Mercier, werden die Klangbilder nacheinander durchsichtig und geben wie im freien Fall den Blick auf immer neue Strukturen, neue Farben frei. ..."
Matthias R. Entreß (Berliner Morgenpost 2000)


UTOPIE FREIER BEWEGUNG INNERHALB EINES GANZEN
'KLAVIERSTÜCK 1' – 'KALYPSO (coupe/transformation)' – 'KAMMERSINFONIE'
"...Aufforderung zum gesteigerten Hineinhören in den Klang ... bei grundsätzlich eher statischen Prozessen ausgeprägt polyphone Strukturen ... verblüffende vielschichtige Zeitverläufe ... Ineinanderklingen verschiedener Zeitgestalten ... eine Utopie freier Bewegung innerhalb eines Ganzen..."
Martin Wilkening (Der Tagesspiegel 1986)


SCHATTENSPRUNG
"Erhard Grosskopf nennt seinen "Schattensprung" eine "musikalisch-lyrische Umgebung", greift also aus der bildenden Kunst den Begriff des Environments auf. Und wirklich lässt sich ein anderer Begriff für das 50minütige, sehr konzentriert gearbeitete und nachdenklich in sich versenkte Werk auch kaum denken - es zieht, nein es zwingt den Hörer nachgerade in einen Raum der Meditation und der Reflexion, ... da wird nicht Text interpretiert oder akzentuiert, da wird das Publikum in eine sozusagen reflexive Befindlichkeit versetzt, die Empfindung und begreifende, analysierende Gedanklichkeit verschwistert.
Grosskopf arbeitet mit äußerst sparsamen Kunstmitteln. Mitunter meint man, die Musik zelebriere ihr eigenes Verstummen, das Verstummen vor den im lyrischen Bekenntnis unmittelbar angesprochenen Fragen und Problemen unserer Gegenwart. Aber gerade diese Sparsamkeit, das ostinate Schreiten des manipulierten Klaviers, die scheinbar immer gleichen, an den Nerven zerrenden repetierten Floskeln und Phrasen, die ineinander geschobenen zarten Klangebenen der Streicher, gerade diese Reduktion von Musik auf ihre - wenn schon in sich komplizierte Minimalstruktur vermittelt eindrucksvoll das bohrend Aufrichtige der Komposition. Da wird nirgends wohltönend drüber weg schwadroniert ..."
Dietrich Steinbeck (Deutschlandfunk, Kultur heute, 1978 und Berliner Hefte 10, 1979)


HÖRMUSIK
"Der Raum, um den es in dieser Partitur geht, ist aber nicht der Raum, in dem sie realisiert wird, sondern umgekehrt der Raum, den sie realisiert; sie bringt ihn nämlich kompositorisch hervor."
Heinz-Klaus Metzger (DR Kultur 2001)

"wird ... um ein zu Unrecht weniger bekanntes Beispiel zu nennen, in der bedeutenden 'Hörmusik' für Violoncello solo, fünf Orchestergruppen und Live-Elektronik von Erhard Grosskopf, ein musikalischer Raum erzeugt, in dem die Klänge wandern und als dezentrierte überhaupt erst die 'Räumlichkeit' der Musik, dieser Zeitkunst par excellance, erfahrbar machen.
Albrecht Wellmer (Versuch über Musik und Sprache, Hanser Verlag München, 2009)

"Die Philharmonie klang in der Tat neu. Während auf dem Podium Streicher, Klaviere und Schlagzeug sowie der Solocellist postiert waren, erfüllten instrumentale Klein-Gruppen auf Emporen den großen Raum auf eigentümlich euphorisierende Weise. Grosskopfs großzügige kompositorische Attitüde, eine untergründig spürbare Kraft, Klang stürzen, sich ausbreiten zu lassen, hinter der auch eine nicht ganz artikulierte Unersättlichkeit wie ein verschwenderisches Zeitgefühl sichtbar wurden, führte zu Klangmischungen und Flutungen und Aggressionsformeln von großem Reiz. ... Das Cello entbehrt jeder Kantabilität und ausladender Gestik. Im wesentlichen in die Aktionen der Klanggruppen integriert, schärft Grosskopf den Ton, der gelegentlich hymnische Wärme besitzt, von diesem solistischen Zentrum her ins Bittere, Stachlige, Verdorbene."
Wolfgang Burde (Der Tagesspiegel 1971)
Raumskizze


KONZERT :FLECKTREUE RARITÄTENKUNST P
"Grosskopf ist mit dieser 'Raritätenkunst' für Solo-Klarinette und kleines Ensemble, das zum Teil an Kontaktmikrophone angeschlossen ist, ein außerordentliches, auf seine stille Weise großartig konzentriertes Stück gelungen. ... Der statische Ansatz der Musik wird durch Akzentuierungen, durch Figurationen und vor allem durch Farbwechsel, durch Geräuschfarben allmählich flexibel gemacht. Das alles aber geschieht mit äußerster Ökonomie, mit einer Zartheit und Verhaltenheit, die einen gänzlich individuellen Ton hat." [1]
"... überrascht immer wieder durch seine Intensität, die dem Stück Zusammenhang bis zuletzt garantiert. ..." [2]
Wolfgang Burde (Der Tagesspiegel 1969 [1]), NZfM 1972 [2])


SONATA CONCERTANTE 2
"... Technisch und stilistisch gesehen ist Grosskopfs Musik erfreulich undogmatisch und darum schwer einzuordnen. Aber die Erfindungskraft ist so stark und originell, das Formgefühl so zwingend, dass jede seiner Arbeiten als schlüssig und als Ausdruck einer Individualität wirkt ... Eine große Solokadenz krönt die Partie, die zu den schwersten, aber auch besten in der Violinliteratur nach Schönbergs Konzert gerechnet werden kann."
H.H. Stuckenschmidt (RIAS 1969)


SONATE 1 (op.1)
"... Musik von innerer Logik und Stärke der Formulierungen ... Seine Musik ist gewiss konstruiert - aber ihre Ausstrahlung gewinnt sie wohl doch aus jenem Geheimnis, das schon Anton Webern gekannt haben muss, dass nämlich die musikalisch verschlüsselten Zahlen, Reihen und Symmetrien aus reinen Tönen unter genialischer Hand zu ebenso reiner Expression werden und die Sprachkraft des Komponisten ohne Umweg preisgeben. ... Die einander abstoßenden Charaktere aber hat Grosskopf - mit fast unfehlbarem Gespür für konsequente Zeitordnung - zu einer allbeherrschenden Großform verbunden. Darauf mag der Begriff Sonate wohl gezielt sein."
Walter Bachauer (Die Welt 1966)


Home

[top]