ERHARD GROSSKOPF

Komponist

  • 17.März 1934 in Berlin geboren. 1955-64 Student – nicht nur der Musik –  in Frankfurt a. Main und Berlin; Komposition bei Ernst Pepping und Boris Blacher. 1964-66 Dozent am Berliner Konservatorium. 1966/67 und 1977 Aufenthalt in Rom (Villa Massimo). Lebt und arbeitet überwiegend in Berlin, seit 1966 freischaffend.

  • Konstruktion und Zufall sind in jeder Komposition von Erhard Grosskopf eng miteinander verbunden. Die in diesem Feld erzeugte Kreativität bedeutet für ihn 'Musikarchitektur'. "Ich baue ein Haus aus Zeitproportionen und Klängen und hoffe, dass die Musik einzieht." Die Idee eines Prozesses der Veränderung – die Entstehung harmonischer Konstellationen in einem vielschichtigen Zeitprozess sich überlagernder Loops mit ihren Treffpunkten – hat seit Anfang der 70er Jahre Grosskopfs Musik geprägt, beständig neue Gedanken und Ergebnisse hervorgebracht.

  • Zwischen 1969 und 1972 kompositorische Arbeiten im Elektronischen Studio für Sonologie der Universität Utrecht, darunter die instrumental-elektroakustische 7-Kanal-Komposition >Dialectics< für den deutschen Kugelpavillon der EXPO'70 in Osaka. Später folgten elektronische Klangarbeiten im ZKM/Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, im Studio der TU Berlin sowie im eigenen Studio.

  • 1971 >Hörmusik<, die erste für die Berliner Philharmonie und das Berliner Philharmonische Orchester komponierte Raumkomposition, über die Heinz-Klaus Metzger 30 Jahre später äußerte: ”Der Raum, um den es in dieser Partitur geht, ist aber nicht der Raum, in dem sie realisiert wird, sondern umgekehrt der Raum, den sie realisiert; sie bringt ihn nämlich kompositorisch hervor”. Beim 'Prix d'Italia' wurde 1972 die elektronische Musik >Prozess der Veränderung< ausgezeichnet. Von 1976-1979 war Grosskopf Mitherausgeber der Zeitschrift für Kultur und Politik "Berliner Hefte", von 1978-1998 Initiator und künstlerischer Leiter der Insel Musik in Berlin, 1982-1992 Gastdozent und Aufführungen bei den Internationalen Ferienkurse Darmstadt. In Tokyo wurde 1980 sein Koto-Konzert "Slow Motion" mit Tadao Sawai (Koto) und dem New Japan Philharmonic Orchestra uraufgeführt - das erste Koto-Konzert eines europäischen Komponisten. Eine viel diskutierte Aufführung gab es 1987 von seinem Ballett >Lichtknall< an der Deutschen Oper Berlin (Regie und Bild Achim Freyer, Choreographie Lucinda Childs).

  • Grosskopf ist seit 1994 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und war dort von 2003-2008 Vizedirektor und dann bis 2012 Direktor der Sektion Musik.

  • Weitere wichtige Uraufführungen und Rundfunkproduktionen:
    >Harmonien – Duo für 2 Klaviere< (1982, Auftrag pro musica nova Radio Bremen), >Erebos für Trio basso und Orchester<  (1985, Orchestre Métropolitain, Radio Canada), >Sinfonie – Zeit der Windstille< (1993, Auftrag rbb Musik der Gegenwart, International Jury Selection der ISCM für die World Music Days’95), >Streichquartette Nr.1-5<, >Streichtrio<, >Klavierquintett< (1983-2012, Arditti Quartet, Pellegrini Quartett, Vogler Quartett, trio recherche, Kairos Quartett, KNM Berlin),  >Plejaden – Sieben ähnliche Stücke für Klavier und Orchester< (2003, Auftrag MaerzMusik, DLRKultur), >Schatten der Engel<  für Orchester (2009, musica viva München, BR), >... durch ein Unendliches< für Orchester (Auftrag rbb, Ultraschall Festival 2010), >Klavierquintett< (Ultraschall Festival 2012), >KlangWerk 11< für Orchester (Uraufführung 2013, Frankfurt a. M., Hessischer Rundfunk).