PROZESSMUSIK
Räume eher als Fäden – Über Musikzeit

Zuerst in Zusammenhang mit elektroakustischen Kompositionen im Institut für Sonologie der Universität Utrecht (1971/72), später auch in seiner Instrumentalmusik, entwickelte Erhard Grosskopf Prozessmusik, eine Musik wechselnder Konstellationen, in der - im Gegensatz zum traditionellen Akkord- oder Ereignisdenken - eine Methode charakteristisch ist, die harmonische Konstellationen in einem vielschichtigen Zeitprozeß sich überlagernder Loops entstehen läßt. Da hier die Klänge nicht durch funktionelle Dramaturgie sondern durch die Logik des mehrschichtigen Prozesses zusammengeführt werden, entstehen Zeiträume eher als Zeitfäden.

"Eine Musik, die im Klang Faszination hervorbringt, hat fast immer eine gewisse Zeitlosigkeit: ich vergesse diese Sekundenzeit, es ist vielmehr ein räumliches Gefühl: eine Minute Musik kann da denselben Raum entstehen lassen wie ein Stück von fünf oder zehn Minuten ... Ich glaube, daß Klänge, wenn sie erscheinen, eine eigene Bedeutung bekommen. Sie enthalten eine Art Zeit-Energie, die in Verbindung mit den Klangkonstellationen mehrschichtiger Prozesse die Musikzeit in eine räumliche Dimension überführt."
[Aus einem Interview Helmut Rohms mit Erhard Grosskopf - Bayerischer Rundfunk - 9.März 1995]




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