Erhard Grosskopf
String Quartets Nos. 1–3
Arditti Quartet

NEOS 10706
© 2007
www.neos-music.com

F.A.Z. Empfehlung
"Für Pioniere"



Track 1
Streichquartett Nr.3
1997/98

Track 2
Streichquartett Nr.1
1983

Track 3
Streichquartett Nr.2
1990

Hörprobe



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Gedanken • Kommentare zu den drei Streichquartetten

anlässlich von Aufführungen und Sendungen 1984-2007

> Nr. 3 <

"Ca. 30 Minuten lang ist das 3. Streichquartett von Erhard Grosskopf. Die Struktur des Werkes, das er 1997/98 geschrieben hat, ist beim ersten Hören kaum zu erfassen. Aber die Musik entwickelt eine Oberfläche, die einen immer wieder für Minuten in die Tiefe zieht und von dort aus in eine neue Tiefe. Man verstrickt und verliert sich hörend, ertastet sich die Tiefen und gerät wieder an die Oberfläche – wie beim Betrachten eines Bildes von Robert Rauschenberg, das durch seine Teile auf das Ganze hinweist, neugierig macht, hineinzieht, den Blick fesselt bis zur Blockade und an die Oberfläche zurückwirft."

Margarete Zander ( rbb Kulturradio • 2007)


 "... und als Hörer ist man aus beiden Systemen der Zeitquantifizierung entlassen, fühlt sich von ihnen befreit. Als Hörer ist man nirgends versucht, zu zählen oder zu messen, sondern man lebt in einer schwebenden Zeit, von der man wünschen würde, dass sie nie enden würde... Beim Hören des Quartetts ist man aus den empirischen Zwängen befreit. Und das versteht man sehr schnell. Man braucht nur ein paar Sekunden, um sich umzustellen, von der Zeit, aus der man kommt, in der man gelebt hat, bis die Aufführung des Stücks beginnt, und der Zeit, in die man jetzt durch das Stück eintritt..."

Heinz-Klaus Metzger (Gespräch anlässlich der Ursendung • Deutschlandradio Kultur • 2005)


"Ist es möglich, konstruktive Strenge einer Komposition, also deren exakte Vorausplanung, so einzurichten, dass dabei dennoch Unvorhersehbarkeit des musikalischen Phänomens selbst geradezu gewährleistet wird? Das paradoxe Experiment, eine solche Dialektik ins Werk zu setzen, hat Erhard Grosskopf unternommen....
Das Problem sieben Schichten auf vier 'Stimmen' umzulegen, bildet indes bloß die Krönung des ganzen Problemturms, den der Komponist hier gleichsam spielerisch konstruiert hat. ...  eine verwirrende Polyphonie verschiedener Maße und Maßstäbe ... eine schier unvorstellbare notationsökonomische Leistung."

Heinz-Klaus Metzger (Programm Ultraschall rbb/DLR • 2007)


"... polyrhythmische Komplexität des bereits vor neun Jahren entstandenen Streichquartetts von Erhard Grosskopf.  Kompositionen wie diese legen die Latte hoch."

Eleonore Büning (F.A.Z.• 2007)


"... mit dem ätherischen 3. Quartett von Erhard Grosskopf ... aussagekräftige Handschrift..."

Isabel Herzfeld (nmz • 2007)


"Mut zum Hören ... Ein einziger Satz, ein Verhalten in der Stille, eine Konzentration auf mikroskopische Reste des Lebens. Oder Anfänge. ... Große Ferne und Höhe. Eine heimliche (und als kompositorisches Internum besser geheim zu haltende) konstruktivistische Strenge hält das spinnwebfeine Gebilde frei von störenden Regungen. Kleine Wirbel am Rande, aber kaum eine Erinnerung an die Welt da unten, ersterbende Anklänge an Melodie, man meint eine einzige vorüberfahrende Polizeisirene zu vernehmen, aber die Welt der Lebenden findet dort nicht statt. Keine Spur von Zerdehnung in den gelassenen Umschichtungen. ... Ein einziger großer Bogen. Verstörend und wahrhaft befremdend für jene, die nicht wagten, wirklich hineinzuhören oder es nicht konnten, vollkommenes Glück für alle anderen. Mehr kann Musik nicht leisten. Vorher hatte Heinz-Klaus Metzger über das Unbekannte in der Musik gesprochen. Grosskopfs neues Streichquartett war genau der dort beschriebene Vorstoß ins Nichtgewesene, fern jeder epigonalen Anbindung und sogar der Selbstkopie. Bevor die leisen Variationen langsamer Wendungen sich wiederholen konnten, aber nicht, bevor man ihr Wesen zu ahnen anfing, endeten sie so, wie man sterben möchte, – einfach. Nur Grosskopfs weitaus irdischeres 1.Quartett hatte einen auf diese sanfte Beständigkeit vorbereitet. ..."

Matthias R. Entreß (2000)


"... originäres Denken im Klang jenseits der Töne. ... enorm spannungsvolle Klangfläche. ..."

Volker Straebel (Der Tagesspiegel • 2000)


"... im Jahr 2000 vom Arditti Quartet uraufgeführt ... löste damals bei einigen Kritikern geradezu enthusiastische Reaktionen aus, obwohl oder gerade weil das Quartett durchaus anstrengend zu hören ist. Ein einziger Satz von etwa einer halben Stunde Dauer, vorwiegend sehr leise gehalten, aber von einer enormen konstruktiven Dichte und Konzentration."

Rainer Pöllmann (Deutschlandradio Kultur • 2007)


 > Nr.1 <

"Im Ton lyrischer Verhaltenheit bewegte sich Erhard Grosskopfs erstes Streichquartett von 1983. Der erste Satz steuert auf einen Moment höchster polyphoner Komplexität zu. Der zweite Satz, gegenüber dem ersten in beständiger Bewegung schneller huschender Notenwerte, dehnt diesen Moment aus. Der verklingende dritte Satz greift den Charakter des ersten quasi "erinnernd" wieder auf...."

Martin Wilkening (Der Tagesspiegel • 1984)


"... scheinen sich Ton und Klang zunächst abzuwechseln, bevor das ganze Spektrum der Töne und Zusammenklänge allmählich aufgefächert wird. Ein sehr zartes Gebilde wird entwickelt, und über diesem Gewebe tauchen immer wieder Figuren wie aus dem Nichts auf und verschwinden dann auch wieder im Nichts. Eine Musik, sehr fein ausgehört, die ein sehr genaues Hinhören verlangt..."

Martin Demmler (SFB >rbb • 1994)


"Grosskopf hatte schon sein erstes Streichquartett 1983 für das Arditti–Quartet geschrieben... erlebnishaft und nachvollziehbar in seinen Zeitprozessen von Klangschleifen in verschiedenen Schichten, die quasi zufällig Klangereignisse definieren, mit plötzlich aufblitzenden Koinzidenzen."

Martin Wilkening (F.A.Z. • 2000)


 > Nr.2 <

"Verschleierte, atmende Klänge, gläsern intoniert, vom Rande der Ewigkeit und zerbrechlich gleichermaßen. Die sphärische Musik scheint zu schweben, es gibt kein pulsierendes Maß, kein greifbares metrisches Raster, auf das Hörer, aber auch Spieler sich orientieren, stützen könnten. Organisch, nicht vor dem Hintergrund der Kontrollinstanz einer akkurat gequanteten Uhrenzeit entfaltet sich das Leben dieser Klänge. Erhard Grosskopf schrieb sein 2.Streichquartett im Jahre 1990. Wie wenige andere hat der 1934 in Berlin geborene und dort wirkende Komponist Erhard Grosskopf ein spezielles Sensorium für das Innenleben der Klänge entwickelt. Von vielen seiner Werke geht eine eminente Sogkraft aus. Mit oft sparsamsten Mitteln lässt Grosskopf sinnlich erfahrbar werden, was Heraklit uns mitgeteilt hatte: Wir steigen nicht zweimal in denselben Fluss. Um freilich Prozesse ins Werk setzen zu können, die das lineare Zeitempfinden aufheben und transzendieren, muss ein Komponist paradoxerweise eine besondere, weil abstrakte Sensibilität für temporale Zusammenhänge entwickeln. Erhard Grosskopf schreibt Musik, die sich vielschichtig entfaltet. Voneinander unabhängig verlaufende Zeitproportionen, sogenannte Loops sind, was ihre potentiellen Beziehungsmöglichkeiten innerhalb eines musikalischen Prozesses betrifft, meist so angelegt, dass sich nach Maßgabe mathematischer Kalküle Treffpunkte bestimmter Ereignisse einstellen und sogar akkumulieren können. Doch nicht die Stetigkeit des temporalen Flusses, die abstrakte Idee des Pfeiles der linearen Zeit wird zum wesentlichen Eindruck. Im Gegenteil: Für den Hörer tun sich Räume auf. Zeit bekommt Farbe, ja Gewicht. Grosskopf kalkuliert mit dem magischen Potential des Klanges."

Helmut Rohm (Bayerischer Rundfunk • 1995)


... Grosskopf offre avec son Quatuor n° 2 (1990) un example particulièrement signifivatif de la façon dont il s'efforce de soustraire sa musique à une "dramaturgie fonctionnelle", atteignant un équilibre précaire, non dénué de paradoxes : matériau neutralisé mais pas dépersonalisé, complexe mais limpide, dématerialisé mais bien présent, hors temps mais non privé de devenir."

Pierre Rigaudière (DIAPASON • 2007)

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