CD-Rezenzionen

erhard grosskopf sound pool - adagio
ACADEMY / edel classics
2CDs 0085182ACA



Süddeutsche Zeitung 20.12.2000 Reinhard Schulz
Grosskopfs Abseitsmusik - Unbeirrbar zart
Richtig laut ist es um ihn nie geworden, um den Komponisten Erhard Grosskopf, geboren 1934 in Berlin, wo er seither lebt. Doch Stille, In-Sich-Gekehrtheit ist ohnehin mit der Zeit stärker geworden, als jeglicher auftrumpfender Gestus. Grosskopf schrieb abseitige Musik, Musik des nachdrücklichen Betrachtens. "Unbeirrbar zart" hat er einmal als Interpretationsanweisung im "Quintett über den Herbstanfang" notiert und ergänzt: "... bis das übrige Orchester so leise wird, dass das Zarte als etwas Starkes übrigbleibt." Nun ist eine Doppel-CD aufgelegt worden, die sich dem Schaffen Grosskopfs mit Werken zwischen 1981 und 1994 widmet. Man darf staunen über eine schöpferische Unbeirrbarkeit, die in etwa der eines György Kurtag gleichkommt. Es sind enigmatische Klänge des Insistierens, des Beharrens in einem Wald von Fragezeichen, Zweifeln, ungesicherten Regionen, es sind Werke stiller Kraft. Das aber macht seine Musik so spannend. Sie hat die Beharrlichkeit, die nur wachsen kann, wenn man sich ohne Zögern dem eigenen Ohr überlässt. Und das hört tief hinein in die Geheimnisse, die unser Tun und Wollen unterminierend begleiten. Die CD kommt einer Entdeckung von jemandem gleich, der schon länger zugegen war, aufgrund seiner Bescheidenheit aber kaum wahrgenommen wurde.



nmz (neue musikzeitung) 11/00 Reinhard Schulz
... Musik mit vielen Rätselkanten. Eine ganz eigene, abseitige Musiksprache begegnet uns hier. Fremde Welten, die Lust machen, einzutauchen.



SWR2 CD-Tipp 26.09.2000 Hans-Peter Jahn
Unter dem Titel "Sound Pool – Adagio" ist endlich eine Sammlung der Werke Erhard Grosskopfs erschienen, die dokumentieren, dass der Berliner Komponist einer der rätselhaftesten und unerfolgreichsten, nicht aber einer der unbedeutendsten hier im Lande ist. "Quintett über den Herbstanfang für Orchester", 1981-82 komponiert, in einer Einspielung mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Jacques Merciers Leitung erklang eben. Und in diesem Werk werden alle Facetten des Komponierens von Erhard Grosskopf deutlich: Sensibilität in der Behandlung extremer Instrumente, Klangfantasie, rhythmische Unverbrauchtheit und rhythmische Originalität, Ausdrucksenergie und eine Zartheit, die korrespondiert mit der Feinheit und vornehmen Zurückhaltung des Komponisten selbst. CD-Tipps müssen also manchmal auch Werbung sein für unbekannte und besonders bedeutende Komponisten.
Erhard Grosskopf lebt in Berlin, als Komponist – nur als Komponist, ein Beruf, der in seiner radikalen Ausschließlichkeit oft an die Grenzen des Wahnsinns stößt, gemessen an der Weltsucht nach Abgesichertheit. Seine expressive Musik öffnet daher Strukturen von hoher klanglicher Raffinesse, in welchen die Sparsamkeit und Schlichtheit offenkundig und gewollt sind. Verlorenheit in die Ränder der Stille, in die Zonen des Unreflektiven, in die Gefilde des Lichts und überirdischen Webens ist eine Verlorenheit in das Geistige. Darin ist Grosskopfs Musik unvergleichbar. Dass die Akademie der Künste Berlin endlich diese Doppel-CD herausgebracht hat, ist ihr hoch anzurechnen.



SWR2 Plattenprisma 23.09.2000 Eleonore Büning
Doppel-CD "Sound Pool – Adagio" ... lyrische Lenz- und Herbstmusiken der Jetztzeit von dem bedeutenden, leider immer noch unterschätzten Komponisten Erhard Grosskopf, eingespielt von verschiedenen Interpreten und herausgegeben von dem Label "Academy" im Vertrieb der "edel records" ....
... Grosskopf war zu dieser Zeit (1994) bereits mehrfach ganz groß herausgekommen, applaudiert, hofiert und wieder vergessen worden. Hier nur ein paar Daten dieser bemerkenswerten Werkbiographie: Erhard Grosskopf schrieb 1970 mit "Dialectics" ein elektroakustisches Werk für den deutschen Kugelpavillon in Osaka, welches ungerechterweise im Schatten Stockhausens blieb. Er komponierte ein Jahr darauf die erste Raumklang-Komposition ("Hörmusik") für die Berliner Philharmonie, gründete, erfand und leitete über 20 Jahre die innovative Konzertreihe "Insel Musik" und machte 1987 mit seiner Ballett-Komposition "Lichtknall", inszeniert von Achim Freyer an der Deutschen Oper, Furore.
"Eine Musik, die erfreulich undogmatisch und darum schwer einzuordnen ist. Aber die Erfindungskraft ist so stark und originell, das Formgefühl so zwingend, dass jede seiner Arbeiten als schlüssig und als Ausdruck einer Individualität wirkt." Dies schrieb Hans-Heinz Stuckenschmidt. Das war 1969. Dreißig Jahre ist das her. Schon merkwürdig und gewiss bezeichnend für die eisernen Moden unseres Musikbetriebes, dass ein eigner Kopf wie dieser, soviele Durchbrüche erlebte und dabei doch so ganz aus seiner Zeit fällt.
Spät, aber immerhin, ist jetzt im Rahmen eines Projekts der Berliner Akademie der Künste diese Portrait-Doppel-CD mit einem Querschnitt durch Grosskopfs Œuvre herausgekommen.
... Und doch steckt ein eigener Ton darin und es geht dann noch ganz anders weiter. Die Affinität zur Romantik allerdings, zur Poesie von Sehnsucht, Hoffnung, Einsamkeit durchzieht das gesamte Œuvre von Grosskopf. Das starke Espressivo, das melancholische Ethos seiner Klangsprache teilt sich jedem Hörer spontan mit.
Dieser Einzelgänger hätte längst populär geworden sein müssen – schließlich schreibt er in klassischen Gattungen mit heutigen Mitteln. Herbstanfänge, Lenzmusiken, Bilder besserer Zeiten ...
... Dort in der Akademie fand kürzlich auch die Uraufführung des 3.Streichquartetts von Erhard Grosskopf statt, aus der Taufe gehoben vom Arditti Quartet. Davon gibt es noch keine Aufnahme, doch las ich eine überschwängliche Kritik in einem Berliner Lokalblatt, die (frei nach Schönberg) in dem pathetischen Ausruf gipfelt: "Es lebt ein großer Komponist in dieser Stadt. Er hat sich keiner Mode unterworfen und ist sich doch nie gleich geblieben." Genau so ist es! Nur, leider: Glatte Karrieren machen Künstler dieses Kalibers in der Regel nicht.



Berliner Morgenpost 03.08.2000 Matthias R. Entreß
Avantgarde: Best of Erhard Grosskopf
Innerhalb der Avantgardemusik wirkt Erhard Grosskopfs Schaffen wie eine überirdische Erscheinung. Der Berliner ist "fremd", in keiner "Szene" zu Hause und keiner Stilrichtung verpflichtet. Seine Kompositionen sind stark methodisch, aber alles andere als streng. Er arbeitet mit komplexen Systemen von Zeit- und Klangschichten, für deren Synchronisierung er seit 1984 nicht mehr ohne den Computer auskommt. Doch der ist nur die formale Grundlage für die sanfte Ausdrucksfülle seiner Werke.
Endlich ist mit "Sound Pool - Adagio" eine Doppel-CD erschienen, die den außergewöhnlichen Rang dieses Komponisten nachdrücklich belegt. Kompositionen aus 20 Jahren für Orchester, Kammerbesetzungen und Klavier formulieren Grosskopfs universellen Anspruch an Musik.
Im "Quintett über den Herbstanfang", mit dem DSO Berlin unter Jacques Mercier, werden die Klangbilder nacheinander durchsichtig und geben wie im freien Fall den Blick auf immer neue Strukturen, neue Farben frei. «Sinfonie - Zeit der Windstille» (DSO/Mathias Husmann), ist ein kontinuierlicher Fluss von kaleidoskopartig sich verwandelndem Klang. Großes Lob an den Tonmeister, dem es gelang, die Räumlichkeit dieser orchestralen Klanglandschaft einzufangen. Naturereignis oder musikalisches Ritual? Diese Musik ist von schier unbezwingbarer Zartheit, eine Welt im embryonalen Frieden des Werdens.
Grosskopf verzichtet auf jeden Effekt. Selbst die kurzen elektronischen Zwischenspiele in den «Sieben Gesängen», die der elektroakustischen Megalomanie des Möglichen Hohn sprechen, bezeugen die gestische Präsenz menschlichen Ausdrucks. Diese Musik ist «schön» im konventionellsten Sinn und zugleich im Sinne utopischer Ideale, denen kein Heute genügen kann. Eine gewisse Widerständigkeit ist dem Komponisten nicht abzusprechen, doch er hat die elitäre Vereinsamung auch mit Humor zu reflektieren gelernt.



Der Tagesspiegel, Hörtest 30.07.2000 Volker Straebel
Erhard Grosskopf "Sound Pool - Adagio" - Kammer- und Orchesterwerke der letzten zwanzig Jahre
Zu den in ihrer Heimatstadt zu Unrecht kaum beachteten Komponisten gehört Erhard Grosskopf. Der 1934 geborene Berliner ist ebenso unaufdringlich wie seine Musik, die die Akademie der Künste, der Grosskopf seit 1994 angehört, nun endlich auf einer Doppel-CD vorstellt. Grosskopfs Beschäftigung mit Elektronischer Musik wird auch in den hier versammelten rein instrumentalen Kammer- und Orchesterwerken der letzten zwanzig Jahre spürbar, ebenso die Neigung zu mathematischer Kalkulation, die in Spannung zur Expressivität seiner Musik tritt. Dabei entstehen Strukturen von hoher klanglicher Delikatesse. Dass Morton Feldman sich während seiner Zeit in Berlin dem jungen Grosskopf nahe fühlte, ist nicht verwunderlich.



klassik.com 05.09.2000 Frantisek Boglu
Keine leichte Kost aber für einen Liebhaber zeitgenössischer Musik ein Muss. Grosskopf ist ein stilles Genie. Seine Musik ist weder bombastisch noch extrem laut, aber in seinen flimmernden Tönen, seiner starken Expressivität schimmert der allzeit gegenwärtige Genius durch.



Ulrich Dibelius 05.09.2000
... überzeugt die unprätentiöse Eindringlichkeit und durchgehaltene Eigennatur der Stücke ...




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